Autismus im Alltag – wie klare Abläufe und vorbereitete Übergänge Kindern Sicherheit geben können
Ein verschobener Termin, ein anderer Weg zur Schule oder eine Mahlzeit, die heute später stattfindet: Für viele Menschen sind solche Veränderungen lediglich kleine Abweichungen im Alltag.
Für ein Kind im Autismus-Spektrum kann eine unerwartete Veränderung jedoch deutlich belastender sein. Deshalb kann es hilfreich sein, den Alltag verständlich zu strukturieren und Übergänge möglichst gut vorzubereiten.
Dabei gilt immer: Autismus ist ein Spektrum. Bedürfnisse, Fähigkeiten und Unterstützungsbedarf unterscheiden sich von Kind zu Kind erheblich. Es gibt deshalb keine einzelne Methode, die für alle Familien gleichermaßen geeignet ist.
Warum Vorhersehbarkeit helfen kann
Wenn ein Kind weiß, was als Nächstes passiert, kann eine Situation leichter verständlich werden.
Wiederkehrende Abläufe, feste Orientierungspunkte oder eine klare Reihenfolge von Aktivitäten können dabei unterstützen.
Das bedeutet nicht, dass jeder Tag exakt gleich verlaufen muss. Vielmehr geht es darum, möglichst viel Orientierung zu schaffen und Veränderungen nicht völlig überraschend entstehen zu lassen.
Übergänge frühzeitig ankündigen
Übergänge können im Alltag besonders anspruchsvoll sein:
- vom Spielen zum Essen,
- von zu Hause zur Schule,
- von einer Aktivität zur nächsten,
- oder von einem vertrauten Ablauf zu einem ungewohnten Termin.
Wenn möglich, kann ein Wechsel vorher angekündigt werden.
Zum Beispiel:
„Noch zehn Minuten, dann fahren wir los.“
Oder:
„Nach dieser Aufgabe machen wir etwas anderes.“
Solche Hinweise können helfen, sich innerlich auf die Veränderung einzustellen.
Visuelle Orientierung kann zusätzlich unterstützen
Nicht jedes Kind verarbeitet gesprochene Informationen auf dieselbe Weise.
Manchen Kindern helfen zusätzlich visuelle Informationen, beispielsweise:
- Bilder,
- Symbole,
- ein einfacher Tagesplan,
- oder eine kurze bildliche Reihenfolge von Aktivitäten.
Wichtig ist dabei nicht die Menge der Hilfsmittel. Entscheidend ist, ob sie für das jeweilige Kind verständlich und hilfreich sind.
Auch die Umgebung kann eine große Rolle spielen
Nicht jede schwierige Situation entsteht ausschließlich durch eine Veränderung im Ablauf.
Auch die Umgebung kann belastend sein.
Manche Kinder nehmen beispielsweise Licht, Geräusche, Gerüche, Berührungen oder viele gleichzeitig sprechende Menschen besonders intensiv wahr.
Deshalb kann es hilfreich sein, nicht nur auf das Verhalten des Kindes zu schauen, sondern auch auf die Situation:
- Ist es sehr laut?
- Gibt es viele Reize gleichzeitig?
- Ist die Situation ungewohnt?
- Gab es eine kurzfristige Veränderung?
Klare Kommunikation statt vieler Informationen gleichzeitig
Gerade in belastenden Situationen können lange Erklärungen zusätzliche Anforderungen schaffen.
Kurze, konkrete Informationen und einzelne Schritte können leichter verständlich sein.
Statt mehrere Aufgaben gleichzeitig zu nennen, kann beispielsweise zunächst ein Schritt erklärt werden. Danach sollte genügend Zeit bleiben, die Information zu verarbeiten.
Verhalten als Information verstehen
Wenn ein Kind plötzlich sehr unruhig wird, sich zurückzieht oder stark reagiert, bedeutet das nicht automatisch, dass es einfach „nicht mitmachen will“.
Es kann sinnvoll sein zu überlegen:
- Ist die Situation verständlich?
- Ist die Umgebung zu laut oder zu unruhig?
- Gab es eine unerwartete Veränderung?
- Könnte das Kind Schmerzen haben?
- Kann es ein Bedürfnis gerade schwer ausdrücken?
Verhalten kann auch eine Form von Kommunikation sein.
Gerade deshalb ist es wichtig, nicht vorschnell zu bewerten, sondern die mögliche Ursache einer Reaktion zu betrachten.
Unterstützung betrifft die ganze Familie
Der Alltag kann auch für Eltern, Geschwister und andere Bezugspersonen dauerhaft viel Kraft kosten.
Unterstützung bedeutet deshalb nicht ausschließlich Begleitung des Kindes.
Auch Entlastung der Familie, verlässliche Ansprechpartner und eine sinnvolle Aufteilung der Aufgaben können wichtig sein.
Welche Unterstützung sinnvoll und verfügbar ist, hängt von der individuellen Situation und vom konkreten Unterstützungsbedarf ab.
Die Unterstützung sollte zum Kind passen
Bei Autismus geht es nicht darum, den gesamten Alltag möglichst starr zu gestalten.
Es geht darum, Orientierung zu schaffen und Veränderungen verständlicher zu machen.
Klare Abläufe, vorbereitete Übergänge, geeignete visuelle Hinweise und eine Umgebung, die individuelle Bedürfnisse berücksichtigt, können dabei helfen.
Nicht das Kind muss in ein fertiges System passen. Die Unterstützung sollte zum Kind passen.
Video zum Thema
Dieses Thema erklären wir auch in unserem aktuellen Video:
Kontakt zu SAARPFLEGE Ambulant
Sie möchten wissen, welche Unterstützung für Ihr Kind oder Ihre Familie im Alltag möglich sein kann? Sprechen Sie uns gerne an.
Telefon: (0681) 309 868-0
WhatsApp: +49 1511 779 3229
Website: saarpflege-ambulant.de
Dieser Beitrag vermittelt allgemeine Informationen. Welche Unterstützung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von den individuellen Bedürfnissen des Kindes und der Familie ab.
