Appetitverlust im Alter – warum nur wenige Bissen zum Warnsignal werden können

Das Essen steht auf dem Tisch. Nach wenigen Bissen kommt der Satz: „Ich bin schon satt.“ Ein großer Teil der Mahlzeit bleibt liegen.

Ein einzelner Tag mit wenig Appetit ist noch kein Grund zur Sorge. Wenn ein Mensch jedoch über mehrere Tage oder Wochen deutlich weniger isst als sonst, lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Denn hinter „kein Appetit“ können sehr unterschiedliche Ursachen stehen.

Weniger Appetit im Alter ist möglich – aber nicht immer harmlos

Mit zunehmendem Alter können Appetit sowie Geruchs- und Geschmacksempfinden nachlassen.

Gleichzeitig sinkt häufig der Energiebedarf. Der Bedarf an wichtigen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen bleibt jedoch weiterhin hoch.

Deshalb bedeutet weniger Hunger nicht automatisch, dass der Körper deutlich weniger Nährstoffe benötigt.

Manchmal liegt die Ursache im Mund

Wenn Essen unangenehm wird, essen Menschen häufig automatisch weniger.

Mögliche Gründe können unter anderem sein:

  • Schmerzen beim Kauen,
  • Druckstellen durch eine Zahnprothese,
  • Entzündungen im Mund,
  • Mundtrockenheit,
  • Probleme beim Kauen oder Schlucken.

Deshalb sollte bei deutlich veränderter Nahrungsaufnahme auch darauf geachtet werden, ob Essen überhaupt schmerzfrei und angenehm möglich ist.

Auch Magen und Darm können den Appetit beeinflussen

Verdauungsbeschwerden können ebenfalls dazu führen, dass Mahlzeiten kleiner werden oder früh beendet werden.

Dazu gehören beispielsweise Verstopfung, Übelkeit, Bauchbeschwerden oder ein sehr schnelles Sättigungsgefühl.

Hilfreich ist deshalb nicht nur die Frage „Hast du Hunger?“, sondern auch: „Wie fühlst du dich während und nach dem Essen?“

Erkrankungen und Medikamente mitdenken

Auch Erkrankungen oder ihre Behandlung können die Nahrungsaufnahme verändern.

Manche Medikamente werden schlechter vertragen oder beeinflussen Geschmack und Wohlbefinden.

Nach einer Erkrankung, einem Krankenhausaufenthalt oder bei chronischen Krankheiten kann der Appetit ebenfalls verändert sein.

Wichtig ist deshalb zu beobachten, wann die Veränderung begonnen hat und ob ungefähr gleichzeitig neue Medikamente oder gesundheitliche Probleme hinzugekommen sind.

Appetit hat auch eine soziale und psychische Seite

Essen ist mehr als reine Nährstoffaufnahme.

Es gehört zum Alltag, zu Gewohnheiten, Genuss und sozialen Kontakten.

Wer plötzlich allein lebt, einen Verlust erlebt oder kaum noch gemeinsam mit anderen isst, verliert manchmal auch die Motivation, Mahlzeiten zuzubereiten oder regelmäßig zu essen.

Auch bei psychischen Erkrankungen wie einer Depression kann verminderter Appetit auftreten.

Was Angehörige und Pflegekräfte beobachten können

Bei deutlich veränderter Nahrungsaufnahme helfen konkrete Beobachtungen:

  • Wie viel bleibt regelmäßig auf dem Teller?
  • Werden bestimmte Lebensmittel plötzlich gemieden?
  • Gibt es Beschwerden beim Kauen oder Schlucken?
  • Treten Übelkeit oder Verdauungsprobleme auf?
  • Gab es Veränderungen bei Medikamenten?
  • Hat sich die Stimmung oder der Alltag verändert?

Solche konkreten Informationen können bei einer medizinischen Abklärung sehr hilfreich sein.

Ungewollten Gewichtsverlust ernst nehmen

Ein besonders wichtiger Hinweis auf eine mögliche Mangelernährung ist ungewollter Gewichtsverlust.

Wenn über längere Zeit zu wenig Energie und Nährstoffe aufgenommen werden, können unter anderem Muskelmasse und Kraft verloren gehen.

Mangelernährung zeigt sich dabei nicht immer sofort eindeutig. Zunehmende Schwäche oder eine geringere körperliche Leistungsfähigkeit können ebenfalls Hinweise sein.

Druck am Esstisch hilft selten

Wenn Angehörige bemerken, dass jemand immer weniger isst, entsteht verständlicherweise Sorge.

Ständiges Drängen – „Du musst mehr essen“ – macht Mahlzeiten jedoch nicht automatisch leichter.

Hilfreicher können beispielsweise sein:

  • kleinere und überschaubare Portionen,
  • vertraute und gern gegessene Speisen,
  • eine angenehme und ruhige Atmosphäre,
  • gemeinsames Essen, wenn dies gewünscht wird.

Besteht bereits der Verdacht auf Mangelernährung oder deutlichen Gewichtsverlust, sollte die Ernährung individuell medizinisch beziehungsweise ernährungstherapeutisch abgeklärt werden.

Das Wichtigste

Wenn jemand plötzlich oder dauerhaft deutlich weniger isst, sollte nicht automatisch nur von „weniger Appetit“ ausgegangen werden.

Probleme im Mund, Verdauungsbeschwerden, Medikamente, Erkrankungen, psychische Belastung und die soziale Situation können eine Rolle spielen.

Hilfreich ist:

  • Veränderungen konkret zu beobachten,
  • ungewollten Gewichtsverlust ernst zu nehmen,
  • und die Ursache medizinisch abklären zu lassen, wenn das Problem anhält.

Eine fast volle Portion kann manchmal mehr erzählen als der Satz: „Ich bin einfach nicht hungrig.“

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder ernährungstherapeutische Beratung.

Quellen

  • gesund.bund.de – Ernährung und Bewegung im Alter
  • gesund.bund.de – Untergewicht
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung – Mangelernährung